Alles-Aquarell

21.08.2017


Eine der direktesten und unmittelbarsten Arten, Stimmungen, Eindrücke oder Ideen zu Papier zu bringen, ist auch in Zeiten digitaler Fotografie das Aquarell. Seit Jahren reist Manfred Hebenstreit nicht nur mit der Kamera, sondern auch mit Stiften, Wasserfarben und Papier. Diese Notationen dienen oft als „Bausteine“ und als „Nachklänge der Reisen“ für die größeren Kompositionen des Künstlers im heimischen Atelier.

Im Lauf der letzten Jahre entstanden auf Reisen viele hundert vorwiegend kleinformatige Aquarelle, gespeist von Eindrücken und Erlebnissen der Aufenthalte in Indien und Sri Lanka. Aber auch im heimischen Atelier malt der Künstler seit Jahren kleine Bilder auf handgeschöpften Aquarellblöcken. Bisher wurden wenige dieser Aquarelle in Ausstellungen gezeigt. Ab 10. September 2017 sind anlässlich des 60. Geburtstags des Künstlers in der Galerie Schloss Parz in Grieskirchen ein Werkblock mit 60 ausgewählten Aquarellen zu sehen und zu einem besonderen Preis zu erwerben. Die Bilderserie heißt „Zeit-Züge“.

Aquarell aus der Serie „Zeit-Züge“, 15/10,5cm, 2017
Aquarell aus der Serie „Zeit-Züge“, 15/10,5cm, 2017
Aquarell aus der Serie „Zeit-Züge“, 15/10,5cm, 2017
Aquarell aus der Serie „Zeit-Züge“, 15/10,5cm, 2017
Aquarell aus der Serie „Zeit-Züge“, 15/10,5cm, 2017
Aquarell aus der Serie „Zeit-Züge“, 15/10,5cm, 2017
Aquarell aus der Serie „Zeit-Züge“, 15/10,5cm, 2017
Aquarell aus der Serie „Zeit-Züge“, 15/10,5cm, 2017

Malerei


Manfred Hebenstreit gilt als Maler mit einem großen Spektrum von Themen und Techniken. Um einen neuen spannenden Dialog zwischen Farbe und Material entstehen zu lassen, tauscht er vielfach die Leinwand gegen Eisen, Holz, Aluminium oder Glas. Hebenstreit-Bilder haben hat einen hohen Wieder-Erkennungswert, sie liefern ein breites Feld für persönliche Assoziationen.

Der unter dem Schütze-Zeichen geborene Maler Hebenstreit wechselt immer wieder ganz gezielt seine Stand- und Mal-Orte. Als Wanderer, Höhlenforscher oder Taucher bringt er von seinen Reisen Fotos und Skizzen mit. Wie ein Bogenschütze fokussiert er sich auf die jeweilige Qualität eines Landstriches, inhaliert typische Farben und Formen, saugt die dortige Atmosphäre ein und lässt dann Bruchstücke davon in seine Werke einfließen.

Aus diesen Gründen sehen Hebenstreit-Bilder aus dem sonnigen kalifornischen Atelier ganz anders aus als die dunklen Blümling-Serien, die im niedrigen Innviertler Holzhaus entstanden sind. Saftig-grüne Aquarelle aus Andalusien - Ausbeute eines Winters in Spanien – zeigen sich völlig unterschiedlich in Formensprache, Kolorit und Atmosphäre im Vergleich zu Arbeiten, welche unter dem Titel „Oraj“ in Kroatien entstanden. Diese „Oraj“-Bilder sind geprägt von der roten Erde Istriens und von weiten Panorama-Blicken auf das Meer.

Andere Beispiele für die befruchtende Wirkung der programmatischen Reisen Manfred Hebenstreits sind die „Arizona-Ortungen“. 2011 kehrte der Maler aus Amerika zurück, mit im Gepäck Fotos vom tiefen Rostrot der Red Rocks. Als Nachklänge der Expeditionen in Arizona bevölkerten sich seine Leinwände mit bizarren Formen aus der Natur, mit weiten Horizonten und Himmelserscheinungen der Painted Desert, mit Eindrücken vom Grand Canyon und Erinnerungen an die Rituale der Hopi-Indianer.

Seit fast einem Jahrzehnt sind die von Indien inspirierten Bilder Teil der breit gefächerten Hebenstreit-Werkpalette. Ihr Kolorit in leuchtend warmen Farben mit einer fast überbordenden Formenvielfalt mag für Manche überraschend sein, doch auch hier ist ein direkter biografischer Bezug gegeben. Gleiches gilt für so unterschiedliche Bildergebnisse wie die Highland-Serien aus Schottland, für die Kandyan-Leinwände aus Sri Lanka oder die „Winterblüten“, „Sichtungen“, „Ausleuchten“ und die vielen „Natur-Signatur“-Bilder, welche gespeist sind vom unmittelbaren Umfeld des Künstlers in Oberösterreich .....

Mischtechnik auf Leinwand
aus der Serie „Bilder der Blüten“, 110/140 cm, 2014
Mischtechnik auf Leinwand
aus der Serie „Indisch-Rot“, 100/80 cm, 2016
Mischtechnik auf Leinwand
aus der Serie „Indisch-Rot“, 100/80 cm, 2016
Mischtechnik auf Leinwand
aus der Serie „Arizona-Ortungen“, 190/170 cm, 2011
Mischtechnik auf Leinwand
aus der Serie „Highlands“, 90/130 cm, 2013
Mischtechnik auf Leinwand
aus der Serie „Aufgestellt“ 110/150 cm, 2007
Mischtechnik auf Leinwand
aus der Serie „Bilder der Blüten“, 110/140 cm, 2014
Mischtechnik auf Leinwand
aus der Serie „Aufgestellt“, 80/60 cm, 2004
Mischtechnik auf Leinwand
aus der Serie „Highlands“, 90/130 cm, 2013
Mischtechnik auf Leinwand
aus der Serie „Wegzeichen“, 100/100 cm, 2015
Mischtechnik auf Leinwand
aus der Serie „Arizona-Ortungen“, 190/170 cm, 2011
Mischtechnik auf Holz
aus der Serie „Sonnwend“, 100/100 cm, 1996
Mischtechnik auf Holz
aus der Serie „Sonnwend“, 100/100 cm, 1996

Metall-Spiegel


Über die Eisenbilder von Manfred Hebenstreit
...Der metallische Glanz, die völlig undurchlässige Oberfläche, die gänzlich anderen physikalischen und chemischen Eigenschaften und Verhaltensweisen dieses so unüblichen Materials stellen eine Bereicherung und Neuinterpretation dieses Genres für Hebenstreit dar...
Teilungen, Segmentierungen werden spürbar, eine andere Art von Komprimierung und eine diffizilere Art, Zentren und Zusammenhänge zu schaffen, dominieren diese Arbeiten....
Plötzlich tauchen Gestalten auf, wie einem fernen Mythos entstiegen, türmen sich Kolosse und roboterähnliche Wesen auf, teils funktional angelegte Systeme aus Hebeln, Kugellagern und Masseblöcken, teils schwarz und enigmatisch, verwunschen und verschwunden, wie von Zeit überwucherte halbhingesunkene Steinfiguren in verwilderten Parks...


Auszüge aus dem Text „Die Liebe ist grausam“ von Dr. Margit Zuckriegl, Museum Rupertinum Salzburg

Ankäufe von Eisenbildern:
Sammlung Würth, Deutschland
Kellner/Kunz, Wels

Detail des Spiegelobjektes für den Schlosspark des KOMETOR in Peuerbach, OÖ.
von Billa und Manfred Hebenstreit, 2010
Malerei auf Eisenplatte
ohne Titel, 20/20 cm, 2008
Malerei auf Eisenplatte
ohne Titel, 20/20 cm, 2008
Mischtechnik auf Eisenplatte
aus der Serie „Eisernes Europa“, 130/95 cm, 1991
Mischtechnik auf Spiegelplatte
aus der Serie „MAYA“, 250/150 cm, 2017
Spiegelbild aus der Serie „MAYA“, 100/80 cm, 2016
Malerei auf Eisenplatte
ohne Titel, 20/20 cm, 2008
Detail eines Spiegelbildes aus der Serie „MAYA“ von Manfred Hebenstreit

Natur-Signatur


Kunst & Natur
Ein kleines Fischerhaus in der Bretagne, ein einsamer Bauernhof in Istrien mit freiem Blick auf das Meer, Wintermonate in einer verlassenen andalusischen Villa, Malen in einem unterirdischen römischen Venustempel auf der kroatischen Insel Krk, Tauchgänge am Great Barrier Reef in Australien, Frühlingsvollmond-Rituale in einem südindischen Ashram oder ein Zimmer im ältesten Ayurveda-Hotel in Sri Lanka – immer ist es ein Auf-der- Reise-Sein, die permanente Suche nach typischen Formen und Motiven, nach besonderen Orten und Plätzen. So sind Entdeckungen und neue Impulse für das individuelle Formenvokabular des Künstlers möglich.

„Von der ersten Stunde an war Manfred Hebenstreit unterwegs, als 17jähriger zwei Jahre lang allein quer durch Asien, später gemeinsam mit seiner Frau Billa: Reisen hilft, die Malerei fortzusetzen“, und das erklärt damit auch den Seriencharakter mancher Arbeiten, die sich in Zyklen um verschiedene Lebens- und Reisestationen gruppieren. Manfred Hebenstreit und seine Frau Billa dokumentieren die saisonalen Ateliers und Aufenthalte in Kalifornien, Kroatien, Andalusien oder der Bretagne oder eben in Indien fotografisch und konservieren so den Impuls, um ihn dann zu Hause in Peuerbach zu verarbeiten. In den aktuellen Arbeiten können wir eine Synthese erleben: die schon früh im Werk vorhandene kontrastreiche Dramaturgie, die anfangs beinahe autarke Bedeutung hat, verbindet sich mit der Fotografie, mit kulturellen und geographischen Eindrücken, eben mit jenen Erfahrungen, die ihm als Reisendem in verschiedenen Kulturkreisen zukommen.“
...
„Hebenstreit löst Assoziationen aus, erinnert an Naturlandschaften, ohne dass diese gleich motivisch fassbar wären. Es sind innere Weltbilder, die er einmal mit Fotomotiven konkret verstärkt, das andere Mal der freien Assoziation überlässt. Er verwendet heute verschiedene Medien. Die Fotos bearbeitet er am Computer, die er auch am Computer malend verwandelt, bleibt dann aber nicht auf der digitalen Ebene, sondern arbeitet die gedruckten Formate im Atelier weiter.“


Aus einer Rede von Johannes Jetschgo, Oktober 2012
anlässlich der Ausstellung „Indien Barock“ in St. Florian, OÖ.

Die Bilderserien Natur-Signatur
Die seit 2013 entstandenen Bilderserien unter dem Titel „Natur-Signatur“ zeigen das Interesse des Künstlers an organischen Strukturen und belegen seine enge Verbundenheit mit der Farben- und Formenvielfalt der Natur. Mit diesem Themenkreis verbunden ist immer auch das Thema Reisen.

Mischtechnik auf Papier
aus der Serie „Natur-Signatur“, 40/30 cm, 2013
Mischtechnik auf Papier
aus der Serie „Natur-Signatur“, 40/30 cm, 2013
Mischtechnik auf Leinwand
aus der Serie "Natur-Signatur", 100/80cm, 2015
Mischtechnik auf Papier
aus der Serie "Natur-Signatur", 40/30cm, 2014
Mischtechnik auf Papier
aus der Serie "Natur-Signatur", 40/30cm, 2014
Mischtechnik auf Papier
aus der Serie "Natur-Signatur", 76/56cm, 2017
Mischtechnik auf Papier
aus der Serie "Natur-Signatur", 40/30cm, 2014
Mischtechnik auf Papier
aus der Serie "Natur-Signatur", 76/56cm, 2017

Indien


Schon siebenmal reiste Manfred Hebenstreit nach Südindien, um bei den alljährlichen Feierlichkeiten zum Frühlingsvollmond dabei zu sein. Die exotische Farbenpracht dieses Landstriches, verdichtet von den Duftsinfonien der vielen Blumen und Gewürze, die feierlichen Prozessionen zu den alten Tempeln und die Menschen vor Ort begeistern den Künstler nachhaltig.

Die Vielfalt seiner Eindrücke verarbeitet der Künstler vor Ort mit Fotoserien, Skizzen und Aquarellen. Zu Hause entstehen daraus dann Bilderserien mit verschiedenen indischen Bezügen. Die Titel lauten „Indien Barock“, „Indisch-Rot“, Imago India“, Indien Colorit“, „Bilder der Blüten“ und seit kurzem großformatige Spiegelbilder unter dem Titel „MAYA“.

Mischtechnik auf Holz
aus der Serie „Imago India“, 100/80 cm, 2014
Mischtechnik auf Leinwand
aus der Serie „Indisch-Rot“, 150/150 cm, 2014
Difo auf Acryl
aus der Serie "Indien Colorit", 80/60cm, 2015
Manfred Hebenstreit mit einem Glasleuchtbild „Indien Barock“, 60/45 cm, 2012
Mischtechnik auf Leinwand
aus der Serie "Bilder der Blüten", 110/140cm, 2014
Mischtechnik auf Spiegelplatte
aus der Serie "MAYA", 250/150cm, 2017
Mischtechnik auf Leinwand
aus der Serie „Bilder der Blüten“, 110/140 cm, 2015
Mischtechnik auf Leinwand
aus der Serie "Bilder der Blüten", 110/140cm, 2015

Glas-Licht


Bilderfahrungen aus Bereichen der Landschaft, Lebens- und Pflanzenwelt zeigen sich verdichtet in einem besonderen Aspekt des Hebenstreit-Werkes: bei den Glasleuchtbildern. Fotografisch festgehaltene Naturstrukturen und das typische Hebenstreit-Vokabular bilden Bildwerke in einprägsamer, fast surrealer Art. Linien, Bahnen und Farbfelder verschiedener Provenienz überlagern sich in den Ebenen des Glases, bilden luzide „Tore“.

In Zusammenarbeit mit Billa Hebenstreit entstanden seit Jahren kontinuierlich Dokumentations- und Fotosammlungen zu verschiedenen Themen. Zusammen mit den vielfältigsten Reiseeindrücken dienen diese als Quellen für das bildnerische Schaffen Manfred Hebenstreits.

Glasbilder malte Manfred Hebenstreit seit dem Jahr 2001, zuerst in Zusammenarbeit mit der Glaswerkstatt Stift Schlierbach. Ab 2006 wurde dann erstmals eine Synthese aus fotografischen Bildern, dem (glas-)malerischen Werk, neuen Drucktechniken und LED-Technologie möglich. In den vergangenen Jahren folgten dann vielfältige Anwendungen für öffentliche und private Gebäude: hinterleuchtete Glaswände, künstlerisch gestaltete Glasdecken und freistehende Glasobjekte mit oder ohne integrierte Beleuchtung. Nicht zu vergessen die kleinen Glasbildserien „Cosmic Impact“, welche als Basis für die Animationen der Filme im KOMETOR dienten.

Glasbild „Cosmic Impact“, 20/20 cm, 2009, Vorlage für die Filme im KOMETOR
Glasbild „Cosmic Impact“, 30/20 cm, 2009, Vorlage für die Filme im KOMETOR
Glasleuchtobjekte im Turm von Schloss Waidhofen an der Ybbs, anlässlich der NÖ Landesausstellung „Feuer und Erde“ 2007
Glasleuchtbild Raiffeisenbank Peuerbach, 120/60 cm, 2007
Blick in den Glasraum „Eishöhle“ in Schloss Orth am Traunsee, Installation anlässlich der OÖ. Landesausstellung 2008
Glasleuchtbild aus der Serie „Eishöhle“, 120/100 cm, 2006
Glasfenster für die Aussegnungshalle in Hofkirchen/Mühlkreis, 80/60 cm, 2007, gebrannt in der Werkstatt Sitft Schlierbach
Ausstellungsansicht mit Glassäulen in der Galerie Clairefontaine Luxembourg, 2009
Glasleuchtobjekt an der Decke, 600/60 cm, 2004 in einem Privathaus in Wels, OÖ
Detail aus einem Glasleuchtbild „Orchidee“, 2008
Glasleuchtbild aus der Serie „Eishöhle“, 120/100 cm, 2006
Detail aus einem Glasleuchtbild, 2010

Papier-Arbeiten


PAPIER IST GEDULDIG

Manfred Hebenstreit fand schon während seiner Studienjahre an der damaligen Hochschule für künstlerische und industrielle Gestaltung in Linz zu seinem typischen kraftvollen Strich-Vokabular. Seit den 80iger Jahren entstand eine Unzahl von Skizzen und Papierarbeiten mit Grafit, Kohlestiften, Aquarellfarben oder farbigen Tuschen.

Handgeschöpfte Papiere werden bei Manfred Hebenstreit zu „Bildträgern“ im wahrsten Sinn des Wortes, denn sie sind bestens geeignet für schnelle Notationen und Strichsetzungen – darüber hinaus sind sie gute Unterlagen für seine malerischen Experimente mit vielen übereinander gelegten Farbschichten. Auf Reisen malt der Künstler auf kleineren Aquarellpapieren mit Wasserfarben mit wasserlöslichen Buntstiften.

"Die Farbe wird souverän mit markant-persönlichem Gestus eingesetzt, zeichenhafte Striche, Linien, Bahnen, Farbfelder werden bewusst komponiert zusammengesetzt; exaktes Kalkül verbindet sich wie schon bisher im Werk des Künstlers mit dem raschen, zupackenden Zugriff einer spontanen Niederschrift."

Zitat aus einem Text von Peter Assmann, 2005, damals Leiter der Landesgalerie OÖ, jetzt Palazzo Ducale, Mantua

Mischtechnik auf Aquarellpapier
aus der Serie „Indien Barock“, 25/25 cm, 2016
Mischtechnik auf Papier
aus der Serie „Floral Flares“, 76/56 cm, 2016
Mischtechnik auf Aquarellpapier
aus der Serie „Indien Barock“, 25/25 cm, 2015
Mischtechnik auf Aquarellpapier
aus der Serie „Indien Barock“, 25/25 cm, 2015
Mischtechnik auf Papier
aus der Serie „Floral Flares“, 76/56 cm, 2016
kleine Skizze auf Aquarellpapier, Haargassen 1, 2013